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Über das Projekt – Welt der Habsburger von Dr. Franz Sattlecker und Dr. Wolfgang Kippes, Geschäftsführer der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.
Welt und Welten der Habsburger
Wie keine andere Dynastie lenkten die Habsburger die Geschicke Europas. Über Jahrhunderte stellten sie die deutschen Könige und römisch-deutschen Kaiser, wurden zum Inbegriff der Monarchie. Maximilian I. legte durch seine Heiratspolitik den Grundstock für ein Reich, in dem „die Sonne nicht untergeht“. Die Herrschaft der Habsburger erstreckte sich über weite Teile Europas und die Kolonien in Übersee. Später mündete das Attentat auf Thronfolger Franz Ferdinand in die Katastrophe des ersten Weltkriegs.
Die Bezeichnung Welt der Habsburger ist somit, historisch gesehen, durchaus wörtlich zu nehmen. Als Titel unserer virtuellen Ausstellung verweist sie aber nicht allein auf eine geografische Dimension. Hier wird „Welt“ ebenso als Synonym für Gesellschaft und Kultur, aber auch für persönliche Lebenswelten verstanden.
Hintergrund der virtuellen Ausstellung
Wir haben das Projekt zur Gänze aus Mitteln der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft finanziert und umgesetzt. Das Vorhaben selbst geht auf eine Initiative der österreichischen Bundesregierung zurück und ist im Regierungsprogramm von 2007 und 2008 verankert.
Um die Welt der Habsburger in ihrer ganzen Breite darzustellen und ihrem Umfang gerecht zu werden, entschieden wir uns für eine virtuelle Präsentation. Für das kuratorische Team – Historiker der Universität Wien – bedeutete das ein Denken weg vom Ausstellungsstück in seinem „sakralen“ Objektcharakter hin zu einem Gegenstand der Vermittlung und Interaktion. In Abgrenzung zu weblexikalischen Einträgen sollte der Ausstellungscharakter dennoch gewahrt bleiben. Dies war eine große Herausforderung und Chance zugleich.
Zeiten, Räume, Menschen
Diese Chance liegt in den Möglichkeiten des Mediums selbst. Das betrifft praktische Komponenten wie die ortsunabhängige Zugänglichkeit, nahezu unbegrenzte Speicherkapazität – die Ausstellung umfasst über eintausend bildliche Darstellungen –, die Möglichkeit einer ständigen Erweiterung und das Zeigen von Objekten, die aus konservatorischen Gründen kaum zugänglich sind. Das eigentliche Potenzial eröffnet sich jedoch im Wechsel kontextueller Zusammenhänge, der immer neue Verknüpfungspunkte hervorbringt, und damit auch neue Bedeutungsebenen. Konkret erschließt sich die Welt der Habsburger über drei Zugangsebenen: über Zeit und Raum als zentrale Parameter der Geschichte und über die Persönlichkeiten, die diese Geschichte prägten. Einstiegspunkte sind eine Zeitleiste von 1278 bis 1918, eine Karte Europas und ein Stammbaum der Habsburger.
Digitale Narration als kritische Auseinandersetzung
An den Schnittstellen von Orten, Ereignissen und ProtagonistInnen eröffnen sich narrativ strukturierte Inhalte. Je nach gewählter Perspektive rücken sie soziale, politische, kulturelle oder wirtschaftliche Komponenten in den Vordergrund. Prägnante, spannend geschriebene Stories beleuchten epochale Ereignisse ebenso wie Themen aus der Alltags- und Kulturgeschichte. Sie zeigen die Habsburger in ihrem privaten, familiären, gesellschaftlichen und politischen Umfeld, eingebettet in die Entwicklungen ihrer Zeit und beleuchtet in der Fremd- und Eigenwahrnehmung von „oben“ und „unten“.
Es war uns ein besonderes Anliegen, neben dem Adel auch die Welt jener Gesellschaftsschichten abzubilden, die herkömmliche Geschichtsbücher oft ausklammern. Im Wechsel der Perspektiven zeichnet sich ein reich differenziertes, kritisches Gesamtbild.
Website für alle
Wir haben die Welt der Habsburger für ein heterogenes und internationales Publikum konzipiert. Die englische Version wird im Spätsommer online gehen. Die Website funktioniert als ein Einstieg in die Thematik – zum Beispiel im Vorfeld eines Wien-Besuchs – ebenso wie als hilfreiches Tool für SchülerInnen, StudentInnen und AkademikerInnen. HistorikerInnen werden, so hoffen wir, vor allem die Fülle an Bilddaten zu schätzen wissen, wie sie in dieser Form bislang nicht vorlag. Dazu möchten wir hier vor allem der Bundesmobilienverwaltung, dem Kunsthistorischen Museum, dem Wien Museum, dem Technischen Museum, dem Österreichischen Staatsarchiv, dem Heeresgeschichtlichen Museum und den vielen weiteren Institutionen danken, die unseren eigenen, umfangreichen Fundus um wertvolles Material bereicherten.
Optik und Usability
Eine zentrale Aufgabe im Gesamtprojekt betraf die grafische Umsetzung. Schließlich musste die ungeheure Datenmenge und das feinmaschige Netz ihrer Verknüpfungen in eine Form gebracht werden, die allen Standards zeitgemäßer Usability entspricht. Das junge Wiener Grafikbüro dform leistete hier hervorragende Arbeit. Es gelang, die Komplexität der Inhalte übersichtlich und nachvollziehbar, aber trotzdem spannend abzubilden, unter Einbindung zahlreicher dynamischer Elemente. So sind wir zuversichtlich, dass die Welt der Habsburger auf positives Echo stoßen wird, als ein Kaleidoskop aus Geschichten, die Geschichte machten.
Familienportrait

letzte Reihe (v.l.n.r.):
Kaiserin Elisabeth, "Sisi" (1832-1898)
Ferdinand Maximilian, Kaiser von Mexiko (1837-1867)
Königin Marie Antoinette (1755-1793)
Königin Maria Theresia (1717-1780)
Kaiser Franz Josef I. (1830-1916)
Leopoldine, Kaiserin von Brasilien (1797-1826)
Kaiser Franz I., Stephan v. Lothringen (1708-1765)
mittlere Reihe (v.l.n.r.):
Kronprinz Rudolf (1858-1889)
Kaiser Franz II./I. (1768-1835)
Kaiser Leopold II. (1747-1792)
Kaiser Joseph II. (1741-1790)
Kaiser Joseph I. (1678-1711)
erste Reihe (v.l.n.r.):
Kaiser Karl I. (1887-1922)
Kaiser Leopold I. (1640-1705)
Kaiser Ferdinand I. (1793-1875)
Marie Louise, Herzogin von Parma (1791-1847)
Kaiser Karl VI. (1685-1740)
© Bundesmobilienverwaltung / Kunsthistorisches Museum / Schloß
Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.
Titelbild
Sujet: Ausstellungsobjekt Leopold II. mit Lupenfunktion ohne Signet
© Bundesmobilienverwaltung / Kunsthistorisches Museum / Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.
Kaiser Leopold II., Ölgemälde von Johann Daniel Donat, 1806
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